Dr. Tilo Grenz im Interview

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Dr. Tilo Grenz im Interview

Dr. Tilo Grenz ist als Senior Scientist für Forschungsvernetzung im Team der Bertha von Suttner Privatuniversität. Im Interview erzählt der Wissenschaftler über seinen Aufgabenbereich und den Stellenwert von Forschung an der Suttneruni. 
 

Was kann man sich unter Senior Scientist für Forschungsvernetzung vorstellen?

Der Begriff Senior Scientist drückt aus, dass ich mich lange und intensiv nicht nur inhaltlich mit Forschung beschäftigt habe und aktuell beschäftige, sondern auch im Bereich der weiteren Forschungsorganisation tätig bin. Das heißt, ich kümmere mich zum Beispiel um Drittmittelforschung, um den Aufbau von Kooperationen mit anderen Forschungspartnerinnen und Forschungspartnern, so genannten Stakeholdern, und auch darum, was man Anwendungsorientierung in Forschungsprozessen nennt. Wir haben an der Suttneruni ein einzigartiges Profil, das sich aus Psychotherapie, Psychotherapieforschung, Sozialarbeit, Sozialraumgestaltung, soziale Innovation, Soziologen und dergleichen zusammenstellt. Und wir finden in all diesen Bereichen Expertinnen und Experten, die an sich und für sich schon eine ganz starke Expertise haben. Die Forschungsaktivitäten an der Suttneruni sollen Grundlagen für die produktive Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen bieten, aus denen nennenswerte Beiträge zu Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und Gemeinwohl hervorgehen können. 


Wie gut ist die Suttneruni im Bereich Forschung positioniert, in Anbetracht ihrer doch sehr jungen Jahre?

Ich muss tatsächlich sagen, und hier spreche ich jetzt nicht nur pro domo, also für das eigene Haus, die Suttneruni ist im Bereich der Forschung erstaunlich gut aufgestellt für die junge und kurze Zeit ihres Bestehens. Die Liste der Forschungsprojekte ist lang, das lässt sich gut auf der Website der Universität nachlesen. Des Weiteren haben wir bei sehr renommierten Drittmittelgebern, wie zum Beispiel der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG oder auch beim Wissenschaftsfonds FWF, Projekte nicht nur beantragt, sondern Projekte in Bearbeitung und Umsetzung. 
 

Portrait Dr. Tilo Grenz
(c) fotostudiozone.com

 

 

Die Bertha von Suttner Privatuniversität positioniert sich dezidiert für die Verbindung von Forschung und Lehre. Hat es sich die Suttneruni auch zur Aufgabe gemacht, die Forschungskompetenzen von Studierenden zu fördern?

Ja, das kann man tatsächlich so sagen. Es geht hierbei einerseits um Forschungskompetenzen im engeren Sinne: also um Methoden, Instrumentarien, Erhebungsmethoden, Auswertungsmethoden, aber immer und stets in Verbindung mit ganz konkreten Fragestellungen und im Rahmen konkreter Projekte. Eines dieser Projekte ist beispielsweise jenes von Dr. Oliver Koenig in seinem Studiengang Transformatives Inklusionsmanagement. Sein Forschungsprojekt Vulnerabilitäten in Krisenzeiten neu denken geht der Frage nach, wie sich die Corona-Pandemie längerfristig auf die Bildungs-, Lebens- und Unterstützungssituation von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Behinderungen auswirkt. Aber es sind auch Projekte wie das transdisziplinäre Projekt „Portfolio“, das die digitalen Ressourcen der Forschungsdokumentation, -archivierung und -präsentation, zusammengefasst als ‚Forschungsinformationssysteme‘ (FIS), die heute zur ‚kritischen Infrastruktur‘ universitärer Forschung zählen, zum Gegenstand macht. Mit einem höchst innovativen Projektdesgin wird ein Teil der „DNA“ des Wissenschaftssystems unter die Lupe genommen und weiterentwickelt. Oder vereinfacht ausgedrückt: Portfolio ist ein Wissenschaftsdatenbanksystem, das wir mitentwickeln und mitgestalten, eine so genannte open source Lösung. Bisher spielen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Publikationen in große ökonomische Verwertungsdatenbanken ein. Wir können bei diesem Projekt kritisch feedback leisten und im Grunde genommen eine Alternative zu den neoliberalen ökonomischen Forschungsdatenbanken-Kraken aufbauen.
 

Was ist das Spannende an Forschung?

Für mich persönlich sind all jene Projekte spannend, bei denen Lösungen mit Menschen zusammen für Menschen erarbeitet werden. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Im Forschungsprojekt Mental eHealth & Telepsychiatry werden eHealth- und mHealth-Lösungen untersucht, so genannte Mental Health Apps, die vor allem seit der Corona-Krise die App-Stores fluten. Der Fokus dabei liegt auf der Frage nach deren Funktionalität, auf deren (therapeutisch-medizinischen) Effizienz. Denn fehlende Standards und praxisorientierte Entwicklung im klinischen Setting sprechen für akuten Handlungs- und Forschungsbedarf. Ein anderes Forschungsprojekt wiederum beschäftigt sich damit, mit welchen sinnvollen digitalen Anwendungen man Menschen in der Pflege von Angehörigen unterstützen kann. Dafür wird Schulter an Schulter mit Software-Entwicklern zusammengearbeitet. Forschung ist dann spannend, wenn Forschungsprojekte folgende Schnittstelle finden und bedienen: Menschen in mitunter schwierigen Situationen verstehen auf der einen Seite und auf der anderen Seite Menschen, die reflektiert und immer vor dem Hintergrund des Verstehens der Menschen, Schulter an Schulter arbeiten und an der Entwicklung und Gestaltung von Technik mitwirken. 
 

Gibt es Unterschiede zwischen Forschung an einer Privatuniversität und Forschung an einer öffentlichen Universität oder Fachhochschule?

Die Suttneruni steht für die humanistische Ausrichtung, für die Menschzentrierung. Das heißt aber auch, dass wir in verschiedenen Forschungsprojekten beispielsweise Schulter an Schulter mit technischen Entwicklern zusammenarbeiten, um inklusivere Infrastrukturen zu bauen. An Massenuniversitäten gibt es diese eine große Vision kaum. Dort wird eher gesplittet nach Fachbereichen, Dekanaten, Instituten und einzelnen Arbeitsbereichen mit mitunter vielen unterschiedlichen Visionen. Und vielleicht noch einen Punkt: Wir sind natürlich als kleine Universität auch viel wendiger und können, wenn potenzielle Forschungspartnerinnen und Forschungspartner, Zielgruppen oder Bedarfsträger auf uns zukommen, recht schnell an der Entstehung und Entwicklung von Projekten mitwirken.

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